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the thingy of the month·5 Min.

Beweglich ist das neue Gerade. Warum Deine Wirbelsäule keine Säule ist

Nach dem Atem im letzten Beitrag geht es heute um die Mitte, um die sich jede Bewegung dreht: unsere Wirbelsäule. Und um die Frage, warum sich eine Rückbeuge manchmal im unteren Rücken bemerkbar macht statt im Herzen.

Keine Säule, sondern eine Kette.

Wie die Wirbelsäule gebaut ist

Das Wort führt uns ein bisschen in die Irre. Eine Säule ist starr und gerade. Unsere Wirbelsäule ist das Gegenteil: eine Kette aus vielen kleinen Gliedern, verbunden durch Bandscheiben, Bänder und Muskeln. Und sie ist nicht gerade, sondern schwingt in einem sanften Doppel-S — am Hals und im unteren Rücken nach vorn, im Brustbereich nach hinten. Diese Schwingungen machen sie federnd wie eine Spirale.

Jedes einzelne Gelenk bewegt sich nur ein kleines Stück. Erst zusammen ergibt das die große Bewegung, die wir in einer Rückbeuge oder einer Drehung sehen. Gesund und beweglich fühlt sich der Rücken vor allem dann an, wenn viele Glieder ein bisschen mitmachen — und nicht wenige sehr viel.

Nicht jeder Abschnitt kann alles.

Wo sich Rückbeugen gern verstecken

Die drei Abschnitte der Wirbelsäule haben ganz unterschiedliche Talente.

Abstrakte Skizze der Wirbelsäule von der Seite: neben einer geraden, gestrichelten Linie schwingt eine Kette aus 24 Wirbeln im Doppel-S – 7 Halswirbel, 12 Brustwirbel, 5 Lendenwirbel, darunter das Kreuzbein. GERADE BEWEGLICH
  • Hals7 Wirbelsehr beweglich in alle Richtungen — trägt und dreht den Kopf
  • Brust12 Wirbelmit den Rippen verbunden — dreht gern, streckt sich eher zögerlich
  • Lende5 Wirbelkräftig und tragend — beugt und streckt leicht, dreht kaum
Skizze · die Wirbelsäule von der SeiteKein Lot, sondern ein sanftes Doppel-S. Darunter das Kreuzbein, fest verbunden mit dem Becken.

Und genau hier liegt das kleine Geheimnis der Rückbeugen: Der untere Rücken streckt sich leicht, die Brustwirbelsäule braucht dafür mehr Einladung. Wenn wir also einfach „nach hinten“ gehen, übernimmt gern die Lende die ganze Arbeit, und der Bogen knickt an einer Stelle ab, statt sich zu verteilen.

Erinnerst Du Dich an die Ausweichbewegungen aus meinem ersten Beitrag? Das ist eine davon. Kein Fehler, sondern ein Hinweis: Hier darf die Brust mehr mitmachen.

Eine gute Rückbeuge fragt nicht, wie weit Du Dich biegst, sondern wie harmonisch sich der Bogen verteilt.

Deine Rückbeuge, Schritt für Schritt.

Am Beispiel von Bhujangasana, der Kobra — so holst Du den Bogen aus der Brust.

Was das für Deine Praxis bedeutet.

Schon jetzt auf der Matte

In meinen Stunden in Düsseldorf bereiten wir Rückbeugen deshalb immer vor: erst Atemraum und Länge, dann die Brustwirbelsäule mobilisieren, und erst dann in den Bogen. Und auch der Weg zurück gehört dazu — eine sanfte Gegenhaltung, damit der Rücken wieder in seine Mitte findet.

Gut zu wissen

Eine Rückbeuge darf sich nach Dehnung und Weite anfühlen — aber nie stechend oder einschießend. Wenn Du Rückenschmerzen, Bandscheibenprobleme oder eine Operation hinter Dir hast oder schwanger bist, sprich vor intensiven Rückbeugen mit Ärzten oder anderen ausgebildeten Experten wie Osteopathen oder Physiotherapeuten. Yoga begleitet Deine Gesundheit — eine Behandlung ersetzt es nicht.

Die Wirbelsäule trägt uns jeden Tag, beim Sitzen, Gehen und Atmen. Vielleicht schenkst Du ihr in den nächsten Tagen ein paar Runden Katze-Kuh — einfach so, Wirbel für Wirbel.

Alina sitzt am Strand

Alles Liebe,
Alina.

Zum NachlesenAtmen ist Bewegung.Warum jeder Atemzug eine Ganzkörperbewegung ist — und was unseren Atem eigentlich antreibt.
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