Keine Säule, sondern eine Kette.
Wie die Wirbelsäule gebaut ist
Das Wort führt uns ein bisschen in die Irre. Eine Säule ist starr und gerade. Unsere Wirbelsäule ist das Gegenteil: eine Kette aus vielen kleinen Gliedern, verbunden durch Bandscheiben, Bänder und Muskeln. Und sie ist nicht gerade, sondern schwingt in einem sanften Doppel-S — am Hals und im unteren Rücken nach vorn, im Brustbereich nach hinten. Diese Schwingungen machen sie federnd wie eine Spirale.
Jedes einzelne Gelenk bewegt sich nur ein kleines Stück. Erst zusammen ergibt das die große Bewegung, die wir in einer Rückbeuge oder einer Drehung sehen. Gesund und beweglich fühlt sich der Rücken vor allem dann an, wenn viele Glieder ein bisschen mitmachen — und nicht wenige sehr viel.
Nicht jeder Abschnitt kann alles.
Wo sich Rückbeugen gern verstecken
Die drei Abschnitte der Wirbelsäule haben ganz unterschiedliche Talente.
- Hals7 Wirbelsehr beweglich in alle Richtungen — trägt und dreht den Kopf
- Brust12 Wirbelmit den Rippen verbunden — dreht gern, streckt sich eher zögerlich
- Lende5 Wirbelkräftig und tragend — beugt und streckt leicht, dreht kaum
Und genau hier liegt das kleine Geheimnis der Rückbeugen: Der untere Rücken streckt sich leicht, die Brustwirbelsäule braucht dafür mehr Einladung. Wenn wir also einfach „nach hinten“ gehen, übernimmt gern die Lende die ganze Arbeit, und der Bogen knickt an einer Stelle ab, statt sich zu verteilen.
Erinnerst Du Dich an die Ausweichbewegungen aus meinem ersten Beitrag? Das ist eine davon. Kein Fehler, sondern ein Hinweis: Hier darf die Brust mehr mitmachen.
Eine gute Rückbeuge fragt nicht, wie weit Du Dich biegst, sondern wie harmonisch sich der Bogen verteilt.
Deine Rückbeuge, Schritt für Schritt.
Am Beispiel von Bhujangasana, der Kobra — so holst Du den Bogen aus der Brust.
Was das für Deine Praxis bedeutet.
Schon jetzt auf der Matte
In meinen Stunden in Düsseldorf bereiten wir Rückbeugen deshalb immer vor: erst Atemraum und Länge, dann die Brustwirbelsäule mobilisieren, und erst dann in den Bogen. Und auch der Weg zurück gehört dazu — eine sanfte Gegenhaltung, damit der Rücken wieder in seine Mitte findet.
Eine Rückbeuge darf sich nach Dehnung und Weite anfühlen — aber nie stechend oder einschießend. Wenn Du Rückenschmerzen, Bandscheibenprobleme oder eine Operation hinter Dir hast oder schwanger bist, sprich vor intensiven Rückbeugen mit Ärzten oder anderen ausgebildeten Experten wie Osteopathen oder Physiotherapeuten. Yoga begleitet Deine Gesundheit — eine Behandlung ersetzt es nicht.
Die Wirbelsäule trägt uns jeden Tag, beim Sitzen, Gehen und Atmen. Vielleicht schenkst Du ihr in den nächsten Tagen ein paar Runden Katze-Kuh — einfach so, Wirbel für Wirbel.
Alles Liebe,
Alina.