theyogathingy. → Let’s grow

the thingy of the month·Oktober 2026·5 Min.

Atmen ist Bewegung. Die größte Übung des Tages

Im letzten Beitrag habe ich Dir erzählt, was Yoga und Osteopathie verbindet. Heute geht es um das Thema, das mich in meiner Weiterbildung bisher am meisten bewegt hat — im wahrsten Sinne des Wortes: den Atem.

Jeder Atemzug ist Bewegung.

Was beim Atmen alles mitgeht

Eine interessante Erkenntnis: Die Atmung ist die größte unbewusste und autonome Bewegungsübung, die wir jeden Tag machen. Jeder Atemzug braucht Raum in alle Richtungen: nach vorn über das Brustbein, zur Seite über die Rippen, nach hinten in den oberen Rücken und nach unten in den Bauch.

20.000+Atemzüge an einem ganz normalen Tag
½ lLuft bewegt ein ruhiger Atemzug
360°Raum, den jeder Atemzug sucht

Und es bewegt sich weit mehr als der Brustkorb. Beim Einatmen richtet sich die Brustwirbelsäule tendenziell auf, die Rippen heben sich nach vorn und oben, sogar das Fußgewölbe geht ein kleines Stück mit. Beim Ausatmen sinkt das Brustbein, und vieles kehrt sanft zurück. Atmen ist keine Sache der Lunge allein — es ist eine Bewegung des ganzen Körpers.

Rippenkorb über Becken.

Was STACK bedeutet

Damit der Atem frei fließen kann, arbeiten Zwerchfell und Beckenboden wie ein Team: Beim Einatmen geben beide nach unten nach, beim Ausatmen steigen sie wieder. Am leichtesten geht das, wenn der Rippenkorb über dem Becken steht. In der Ausbildung nennen wir das STACK. Bei einem Hohlkreuz zum Beispiel weicht der Druck nach vorn aus, und der Atemraum wird kleiner.

Und eine Erkenntnis, die ich besonders mag: Unser Brustkorb ist von Natur aus asymmetrisch. Das Zwerchfell steht rechts etwas höher als links, weil darunter die Leber liegt und links darüber das Herz. Wir üben also keine geometrische Symmetrie, sondern eine funktionelle. Perfekt muss nichts aussehen — es soll gut funktionieren.

Mehr Gelassenheit, nicht mehr Luft.

Was uns eigentlich atmen lässt

Ein Ziel von Pranayama oder Atemarbeit ist es nicht, mehr zu atmen, sondern gelassener.

Konkret geht es um die sogenannte CO₂-Toleranz. Denn nicht fehlender Sauerstoff, sondern vor allem mehr Kohlendioxid löst den Atemreiz aus. Das bedeutet: Wer eine höhere CO₂-Toleranz aufbaut, atmet in der Regel ruhiger und langsamer.

Wie sich eine Atemübung anfühlt, hängt stark davon ab, wie wir atmen. Grob lassen sich drei Richtungen unterscheiden:

aktivierendlängere Einatmung — wach und fokussiertz. B. Kapalabhati · Bhastrika
ausgleichendEin- und Ausatmung gleich lang — in die Mitte kommenz. B. Nadi Shodhana
beruhigendlängere Ausatmung — zur Ruhe kommenz. B. Bhramari

Was das für Deine Praxis bedeutet.

Schon jetzt auf der Matte

In meinen Klassen heißt das: Bevor wir in die Tiefe einer Haltung gehen, schaffen wir Atemraum. Erst Atmung und Ausrichtung, dann Kraft und Bewegungsumfang. Und wenn der Atem in einer Haltung stockt, ist das kein Versagen, sondern ein freundlicher Hinweis, einen kleinen Schritt zurückzugehen.

Gut zu wissen

Schnelle Atemtechniken können Schwindel oder Kribbeln auslösen. Übe sie deshalb im Sitzen oder Liegen. Wenn Du schwanger bist, Atembeschwerden oder Herz-Kreislauf-Probleme hast, sprich vor intensiver Atemarbeit mit Ärzten oder anderen ausgebildeten Experten. Atemübungen begleiten Deine Praxis — eine Behandlung ersetzen sie nicht.

Atmen tun wir sowieso, jeden Tag zwanzigtausend Mal. Vielleicht wird ab heute der eine oder andere Atemzug ein bewusster.

Alina sitzt am Strand

Alles Liebe,
Alina.

Weiterlesen im JournalBeweglich ist das neue Gerade.Warum Deine Wirbelsäule keine Säule ist — und wie Deine Rückbeuge aus der Brust kommt.
Zu meinen Klassen → Folge mir auf Instagram →