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spezial·aus dem Workshop·5 Min.

Kleine Schritte sind kluge Schritte. Was ich aus einem Chromatic-Yoga-Workshop mitnehme

Dieser Beitrag ist ein kleiner Ausflug. Ich war bei einem Workshop: „Anatomy in Motion“ mit Nils von Münster-Kistner im Shivasloft. Ein Tag voller Bewegungsketten, Gelenke und Muskeln, und eine Frage, die mich seitdem begleitet: Wie kleinteilig kann ich eine Asana oder Bewegung zerlegen, damit sie für mich passt und spürbar wird?

Was ist Chromatic Yoga.

Das volle Spektrum statt der perfekten Pose

Chromatic Yoga wurde von dem US-amerikanischen Yogalehrer Matt Giordano entwickelt. Der Name ist bewusst gewählt: In der Kunst und in der Musik steht „chromatisch“ für das ganze Spektrum, alle Farben, alle Töne. Übertragen auf die Matte heißt das: die ganze Bandbreite an Bewegung, Ausdruck und Selbstwahrnehmung.

Das Ziel ist nicht die perfekte Haltung, sondern eine echte Verbindung zu Dir selbst. Dazu gehört, wie Du Dich bewegst, wie Du fühlst und wie Du denkst. Chromatic Yoga hängt dabei an keiner bestimmten Tradition und keinem festen Stil. Es heißt viele Wege willkommen, und sein höchster Wert ist Authentizität statt Perfektion.

Was die Methode besonders macht, ist ihr klarer, schrittweiser Aufbau. Komplexe Asanas werden in kleine, gut verdauliche Schritte zerlegt. So verstehst Du, was Du tust, statt es nur nachzumachen.

Dabei entsteht ganz nebenbei etwas, das oft Mind-Muscle-Connection genannt wird: die Verbindung zwischen Kopf und Muskel. Wenn Du einen kleinen Schritt bewusst ausführst, lenkst Du Deine Aufmerksamkeit genau dorthin, wo gerade gearbeitet wird. Du spürst, welcher Muskel aktiv ist, und kannst ihn gezielter ansteuern. Die Bewegung wird nicht nur ausgeführt, sondern wahrgenommen.

Vieles kam mir bekannt vor.

Und genau das hat mich gefreut

Ehrlich gesagt war ich überrascht, wie viel ich wiedererkannt habe. Es gibt viele Überschneidungen mit meiner aktuellen Ausbildung in Yoga-Osteopathie, von der ich Dir im ersten Beitrag erzählt habe. Auch dort geht es darum, den Körper als zusammenhängendes System zu verstehen und nicht als Sammlung einzelner Teile.

Und auch aus anderen Richtungen kannte ich manches, zum Beispiel aus dem Functional Range Conditioning, kurz FRC. Damit habe ich mich bisher nur am Rande beschäftigt, aber einzelne Gedanken daraus sind mir wiederbegegnet, etwa die Frage, wie gut wir unsere Beweglichkeit auch aktiv steuern können.

Für mich ist das ein gutes Zeichen. Wenn unterschiedliche Schulen auf ähnliche Antworten kommen, dann steckt darin meist etwas Wahres.

Es ist toll, dasselbe Wissen noch einmal durch eine andere Brille zu sehen.

Die Asana in kleinere Einheiten zerlegen.

Der Fokus, der für mich neu war

Neu war für mich vor allem die Konsequenz, mit der Chromatic Yoga eine Frage stellt: Wie kann ich diese Asana in noch kleinere Einheiten herunterbrechen?

Oft lernen wir eine Haltung als Ganzes. Wir gehen hinein und korrigieren danach. Der Ansatz im Workshop dreht das um, eine Art Reverse-Engineering: Die fertige Haltung wird gedanklich auseinandergenommen, bis man bei ihren kleinsten Bausteinen ankommt. Dann wird jeder Baustein einzeln erarbeitet, und erst zum Schluss setzt sich die Haltung wieder zusammen. Jeder Schritt ist dabei eine vollständige Übung für sich, kein bloßer Durchgang. Das hilft Einsteigern genauso wie Erfahrenen, denn gerade in vertrauten Haltungen schleichen sich die meisten Gewohnheiten ein.

Und wie kleinteilig darf das werden? Meine Antwort nach dem Workshop: so klein, bis Du jeden Schritt wirklich spürst. Kannst Du in einem Baustein nicht sagen, was gerade arbeitet, ist er noch zu groß. Kannst Du ihn ruhig atmend halten und bewusst steuern, darf der nächste dazukommen. Das Maß ist also nicht die Haltung, sondern Deine Wahrnehmung. Und die ist bei jedem anders, manchmal sogar von Tag zu Tag.

Und hier setzt das Cueing an.

Worte als Werkzeug

Cueing, also die Ansagen, mit denen ich Dich durch eine Stunde führe, bekommt durch diesen Ansatz eine neue Rolle. Wenn eine Haltung aus kleinen Bausteinen besteht, braucht jeder Baustein seine eigene, klare Ansage. Lieber ein Hinweis zur rechten Zeit als fünf auf einmal.

Mir ist im Workshop wieder bewusst geworden, wie sehr die Reihenfolge zählt: erst die Basis, dann die Feinheit. Und wie viel ein Bild bewirken kann, wenn es zum richtigen Moment kommt. Das passt gut zu dem, was mir beim Unterrichten ohnehin wichtig ist: Anatomie nahbar machen, ohne sie klinisch klingen zu lassen.

Was ich in meine Stunden mitnehme.

Schon jetzt auf der Matte

In meinen Stunden in Düsseldorf wirst Du das spüren: mehr Zwischenschritte, auch in Haltungen, die Du schon lange kennst. Und Ansagen, die Dich Baustein für Baustein in eine Haltung führen, statt Dich gleich ans Ziel zu schicken. Nicht weil der große Schritt falsch wäre, sondern weil der kleine Dir mehr zeigt.

Danke an Nils für einen Tag, der viel Bekanntes bestätigt und ein paar neue Türen geöffnet hat.

Vielleicht probierst Du es in Deiner nächsten Praxis einmal aus: Nimm Dir eine vertraute Haltung vor, Baustein für Baustein, ohne Eile. Und frag Dich dabei, wie klein ein Schritt für Dich sein darf, damit Du ihn wirklich spürst. Du wirst überrascht sein, wie neu sich eine alte Bekannte anfühlen kann.

Alina sitzt am Strand

Alles Liebe,
Alina.

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